Gesunde Beziehungen – lieben, und was dazu gehört

Heute geht es darum, wie gesunde Beziehungen aussehen.
Ist es Liebe, wenn ein Mensch zwanghaft am anderen Menschen festhält, ihm keine Freiheit gönnt. Was sind die häufigen Fehlformen der Beziehung? Sexuelle-Beziehung, Abhängigkeits-Beziehung oder Rosarote-Brille-Beziehung. Sie sind heute so populär wie damals. Jemanden wirklich zu lieben heißt, immer bei sich selbst zu bleiben und gemeinsam mit dem anderen das eigene Leben zu führen. Dies nennt man die bedingungslose Liebe.

Der Schlüssel zu dem Paradoxon: „Sucht nach Nähe“ = „Flucht vor Nähe“ liegt für sie in der Nähe zu uns selbst. Wir müssen uns selbst nahe sein. Solange wir Nähe von außen erwarten, werden wir sie niemals erleben. In der Beziehungssucht ist der Süchtige oft von dem Gedanken besessen, den Prinzen oder die Prinzessin zu finden, der/die alle Probleme lösen wird und mit der/dem er/sie für den Rest des Lebens glücklich sein wird. Das Leben scheint ohne diese Beziehung sinnlos. Der verzweifelte Versuch, diesen Menschen zu finden oder eine verloren gegangene Beziehung wieder zu kitten kann alle anderen Lebensbereiche zerstören, Chaos, Spannung und Ängste erzeugen und selbst das Leben bedrohen, wenn die chronische Trauer in Selbstmordgedanken einmündet. Die Beziehungssucht wird ebenso wie die Co-Abhängigkeit durch das Ideal der romantischen Liebe gestützt, dass uns über Schlagermusik und Filme vermittelt wird. Diese „Gehirnwäsche’“ ist so stark, dass es ausgesprochen schwierig ist, die darin liegenden Selbsttäuschungen zu erkennen und zu durchbrechen.

Alle Süchte haben ein Element der Verleugnung, doch ist die Verleugnung im Fall der Beziehungssucht besonders schwerwiegend. Beziehungssüchtige und ihre co-abhängigen Partner sehen oft nicht den Zusammenhang zwischen ihrem Schmerz und Leid und der illusionären Qualität, die sie in der Liebe suchen.

Überprüfen Sie die folgenden Möglichkeiten:

Kreuzen Sie die Sätze an, die Sie als wirkliche Stärke empfinden und geben Sie ihnen die Ziffer „1“. Dann kreuzen Sie die Eigenschaften an, die Sie gerne hätten, aber noch nicht so gut beherrschen und weisen Sie ihnen die Ziffer „2“ zu. Am Schluss geben Sie den Sätzen die Ziffer „3“, die Sie gerne beherrschen würden, auch wenn Sie noch in weiterer Ferne liegen.

Meine Stärken sind:
Fähig sein, mit der Entwicklung einer Beziehung zu warten.
Fähig sein, ehrlich zu sagen, wenn mich das Thema nicht interessiert oder ich nicht zuhören kann.
Eigene Bedürfnisse anerkennen und wichtig nehmen.
Sich um andere sorgen, ohne sie zu versorgen.
Zu wissen, dass Abhängigkeiten in jeder Form die Beziehung abtöten.
Die eigene Integrität (Ehrlichkeit) und die der anderen schätzen.
Zu wissen, dass ich keine Kompromisse eingehen darf, wenn es um meine geistigen und moralischen Werte geht, ohne die Beziehung auszuhöhlen.
Für mich und den anderen da sein.
Zu wissen, dass sexuelle Liebe sich in dem Maße entwickelt, in dem Vertrautheit wächst.
Zu wissen, dass die Beziehung nur ein wichtiger Aspekt meines gesamten Lebens ist.
Verantwortung für mein eigenes Leben annehmen und dem anderen die Verantwortung für sein Leben überlassen.
Mir ehrlich eingestehen, wer der andere ist, und welche wichtigen Werte, Hoffnungen und Befürchtungen nicht geteilt werden.
Klar und ohne Beurteilung mich und den anderen sehen.
Fähig sein „Welten“ zu teilen, ohne die eigene aufzugeben.
Gegenwärtig sein.
Risiken eingehen und in Gegenwart anderer verletzlich sein.
Gefühle so mitteilen, wie ich sie empfinde.
Grenzen haben und achten.
Wissen, dass Leiden nicht Lieben ist – Schmerz ist Teil des Lebens; Leiden ist eine Wahl.
Meinen eigenen Prozess leben und den Prozess anderer achten, was auch immer es ist.
Information geben, ohne zu versuchen zu kontrollieren, was der andere damit tut.
Zu wissen, dass Liebe nicht geschaffen oder manipuliert werden kann. Liebe ist ein Geschenk.
Zu wissen, dass Wertschätzung, Achtsamkeit und Fürsorge für eine liebevolle Beziehung sorgen.

Wie sehen Ihre Ergebnisse heute aus?
Wie viele dieser Fähigkeiten haben eine – 1 – erhalten?

Denken Sie an eine Situation, in der eine Fähigkeit der „Einser-Kategorie“ zum Zuge kam. Wie haben Sie sich in dieser Situation gefühlt? Wie ging es Ihnen im Nachhinein?

Können Sie ein Muster Ihrer Stärken und Schwächen erkennen? Was wäre nötig, um die Fähigkeiten, denen Sie die Zahl – 3 – zugeordnet haben, auf Platz  – 1 – hin zu bewegen? Was sind Sie bereit, dafür zu tun?

Wenn Sie sich gut auf dem Weg befinden, wissen Sie, dass Sie Ausdauer, Beständigkeit und Entschlossenheit brauchen, um die tief verwurzelten Strukturen der Co-Abhängigkeit und Beziehungssucht zu überwinden.

Wenn Sie gerade Ihre ersten Schritte unternehmen, seien Sie sich bewusst, dass diese Beziehungsstrukturen wie eine Sucht oder zähes Unkraut sind. Sobald sie den Blick abwenden, überwuchern sie Sie.

Die gute Nachricht ist. Es geht nicht nur Ihnen so.

 

Marita Schroeder – The Future Force