Angst und bedingungslose Liebe

Ein Mensch, der in seiner Kindheit gelernt hat, dass Liebe und Schmerz untrennbar miteinander verwoben sind (ganz gleich ob es ursprünglich seelischer oder körperlicher Schmerz war, braucht dieses Schmerzmuster, um sich geliebt zu fühlen – so paradox dies auch klingt –
Wenn einem emotional verletzten Menschen bedingungslose Liebe entgegen gebracht wird, fällt es ihm schwer, diese Liebe anzunehmen. Stattdessen aktiviert er unbewusst Verhaltensmuster, die ihm vorgaukeln, es sei keine Liebe und es ihm ermöglichen, sich entweder dem anderen verletzend zurückzuziehen, oder sich selbst als verletzt wahrzunehmen und zu leiden. Doch genau davor hat er ja Angst. Dieses bedingungslose Angenommen sein kennt er nicht. Er weiß nicht damit umzugehen und flüchtet angstgetrieben in das Beziehungsmuster, welches er kennt: Oberflächlichkeit der Gefühle; sich verbiegen müssen; Persönlichkeitsanteile, Werte, Wünsche und Ziele aufgeben. Dafür verleugnet und verdrängt er jegliche Gefühle, die ihm sein wahres Inneres offenbaren würden. Sich der Angst zu stellen, würde für ihn den inneren Tod bedeuten – er befürchtet, daran zu zerbrechen. Lieber begnügt er sich mit billigem Ersatz, denn dieser kann ihm nicht „gefährlich“ werden. Und in der Tat hat er nicht ganz Unrecht: Würde er sich auf die wahre Liebe einlassen, würde das den Tod seines angstgetriebenen Egos bedeuten. Er käme endlich bei sich an. Das klingt doch gut, wirst Du vielleicht denken – weit gefehlt. Ihm wurde ja beigebracht, dass er so wie er ist, (sein wahres Selbst) nicht in Ordnung ist. Wie soll er dann so sein wollen? Das würde doch nur wieder Ablehnung und Schmerz hervorrufen. So flüstert es ihm zumindest die Liebe-Leid-Verankerung in seinem Unterbewusstsein fortwährend zu. Zudem ist das von Oberflächlichkeit und sich verbiegen-müssen getragene Leben alles, was er kennt – alles, worauf er sein Leben baut. Nimmst Du ihm diesen schönen Schein, diese Illusion und zeigst Du ihm stattdessen die Wahrheit, sein ganzes Potenzial, dann wird er sich mit aller Kraft dagegen verwehren. Er wird Dich verletzen, verleugnen und belächeln wo es nur geht. Auch der Gedanke: „Wer mich liebt, mit dem stimmt etwas nicht“, ist ihm nicht fremd. So gilt es für ihn um jeden Preis sein Kartenhaus zu bewahren, das Lügen- und Ersatzbefriedigungs-Korsett, welches ihn stützt, aufrecht zu erhalten. Zu groß ist seine Angst, sich der Liebe zu öffnen und sich damit wieder ähnlich verwundbar zu machen wie in seiner emotionalen Ursprungsverletzung. Er rennt weg – weit weg. …so weit, dass ihn die Liebe auf keinen Fall einholen kann. Lieber würde er sie vernichten, als sich ihr und damit seinen Ängsten, die ihn von der erfüllendsten Erfahrung des Lebens abhalten, zu stellen. Er umgibt sich schnell mit ähnlich verletzten Mitmenschen,  die ihm sein eigenes Angstbild des Lebens bestätigen. Gegenseitig halten sie sich nun in der Abwertung und Verdrängung ihre eigene innere Wahrnehmung und bestärken sich die schöne Scheinwelt, die sie schon von Kindheit an kennen. Ab und zu lassen sie vielleicht einen Hauch von Licht in ihr Seelendunkel, was sie dann als Bestätigung der Richtigkeit ihrer Einstellung feiern – doch immer nur gerade so viel, dass die eigentliche Liebe nicht hereintreten kann. Die Angst davor bleibt bestehen – genau wie die Abwehr und Verurteilung all jener, die es geschafft haben, sich ihren Ängsten zu stellen und sich so von den Illusionen ihrer Angst zu befreien…um bedingungslos zu lieben.

„Meine Liebe ist bedingungslos.
Deine Handlungen spielen dabei keine Rolle
und können sie nicht beeinflussen.“

– Osho

Der Verdränger

Während der Herzmensch mit einem Überschuss an Gefühlen zu kämpfen hat, scheinen den Verdränger die wirklich tiefen (positiven) Gefühle zu meiden. – Doch genau anders herum wird ein Schuh daraus: Der Verdränger hat ANGST, sich auf sie einzulassen und spaltet sie von sich ab. So landen sie unbewusst bei seiner zweiten Hälfte und er selbst verliert sich im logisch-rationalen Denken und Analysieren. Er fühlt den Verlust zunächst nicht – weder den seiner wahren Gefühle (denn die musste er schon im zarten Kindheitsalter lernen abzuspalten, zu verleugnen oder zu ignorieren), noch den seines Herzenspartners an sich.
Es geht ihm gut, oberflächlich betrachtet. Und zu Beginn der Trennung fühlt er sich dadurch auch in der Richtigkeit dieser Entscheidung bestärkt. Doch je mehr sein Seelendual in seine eigene Kraft zurückfindet und nicht länger bereit ist, seine Gefühle und Entwicklungsaufgaben für ihn zu tragen, desto mehr kommt er nicht umhin, sich ihnen selbst anzunehmen.

Immer öfter ergeben sich nun Momente, in denen er an der Richtigkeit der Trennung zweifelt, in denen er sich eingestehen muss, dass ihn sein Herzenspartner doch nicht so egal ist wie er es sich eingeredet hat. …oder einreden lassen hat – denn Verdränger legen viel Wert auf die zustimmende Meinung und Anerkennung anderer. Dafür stellen sie ihre eigenen zu weile vollkommen zurück – manch mal soweit, dass sie diese selbst nicht mehr wahrzunehmen im Stande sind. Doch wie sehr er sich auch bemüht, die Kontrolle über seine Gefühle zu behalten – irgendwann übermannen sie ihn. Spätestens jetzt sollte er aufhören, dagegen anzukämpfen und sich seiner Hauptaufgabe stellen: sich einlassen.

Dieses Einlassen macht ihm jedoch Angst. Nichts ist ihm so wichtig wie seine vermeintliche Freiheit, die er jedoch durch eine bestimmte Form der Abhängigkeit erkauft – ob es die Abhängigkeit von Drogen, Alkohol, Nikotin, oder eine finanzielle oder emotionale Abhängigkeit ist. Sein Weg führt nicht umhin, sich dieser Tatsache zu stellen und diesen Trugschluss, er bräuchte Etwas oder Jemanden aufzulösen.

Deine Maske als Schutzschild

Der Schmerz und die wiederholte Enttäuschung waren so groß, dass Du beschlossen hast, dein wahres Ich tief in dir zu vergraben. Du selbst glaubst nicht an deine inneren Werte und dein wahres Ich ist mit Schmerz gekoppelt. Um diesen nicht mehr zu fühlen, hast Du dir viele Masken geschaffen.

Alle Masken haben jedoch eines gemeinsam: sie sind nicht echt. Es sind Scheinidentitäten.

Marita Schroeder – The Future Force