Angriff und Abwehr – aus mentaler Sicht

Wenn Du frei sein willst, hast Du Gegner. Wenn Du nicht tust, was andere von Dir erwarten, greifen sie Dich an.

Du greifst nicht an, weil Du frei von Aggressionen bist, die Du gegen andere richten müsstest, um Dich selbst zu bestätigen.

Du wehrst nicht ab, um zu siegen, sondern um Deine Freiheit zu schützen. Wenn jemand Deine Freiheit angreift, lenkst Du den Angriff so lange ins Leere, bis die Aggression erlahmt.

Wenn jemand deine Gefühle angreift und auf Deinen Stolz oder Deine Ehre zielt, ist Dein Herz unbewegt. Wenn Du Dich weder an Stolz noch an eine Ehre klammerst, kann dich niemand verletzen.

Wenn Dich jemand erpressen will, geht der Angriff ins Leere, weil Du bereit bist, auf alles leichten Herzens zu verzichten. Wenn Du dich an Sicherheit klammerst, bist Du verwundbar.

Wenn ein Angriff auf Deinen Körper zielt, machst Du den Angreifer unschädlich, noch eher er Dich verletzen kann. Du nützt den Vorteil, dass er von seiner Aggression geleitet wird. Dein Herz aber unbewegt ist,
Wenn ein Gegner Dich mit seinem Angriff überrascht, ergibst Du Dich. Wenn der Gegner triumphiert, ist er nicht wachsam, und du schlägst überraschend zu.

In der Abwehr kennst du keine Rücksicht. Wer dich einmal angreift, soll Dich kein zweites Mal angreifen.

Wer Dich im Schutz einer Autorität angreift, den lockst Du aus der Masse. Wer sich in der Masse sicher fühlt, ist allein gelassen schutzlos.

Wenn Du durch einen Angriff besiegt wirst, bist Du nicht geschlagen, weil Du keinen Augenblick an Dir zweifelst. Du erkennst, was falsch war, und lernst daraus.

Weil das manipulative Spiel an jedem Tag von morgens bis abends gespielt wird, bist Du von morgens bis abends wachsam und weißt: In diesem Spiel sind alle Gegner, weil jeder zuerst an seinen eigenen Vorteil denkt. Auch, wenn es zu Deinem Nachteil ist. Das Wichtigste ist nicht, wie Du Dich schützt, noch wichtiger ist, dass Du jederzeit dazu bereit bist.

Wenn ein Gegner dich erniedrigt, hast Du keinen Hass. Dein Herz ist unbewegt. Dein ICH ist ohne Form.
Wenn Dein Ich ohne Form ist, hast Du weder Stolz noch Ehre, Treue, Hemmungen, Skrupel oder eine andere Form.

Wenn Du ohne Form bist, kann Dich nichts treffen. Wenn Du Dich an Dein ICH klammerst, bist Du verwundbar. Wenn Du dein ICH loslässt, ist es beweglich und kann ausweichen.

Die stärkste Abwehr ist deine innere Kraft.
Ob Du angreifst oder abwehrst, Du konzentrierst Deine ganze Energie darauf. Du zögerst nicht, damit sich der Gegner nicht vorbereiten kann. Du täuchst links und reagierst rechts. Du gibst Dich geschlagen und schlägst gleichzeitig zu.

Damit Du jeden Angriff abwehren kannst, trainierst Du die Abwehr: Im Denken bist Du entschlossen; In den Gefühlen bist Du frei; Deine Fäuste und Füsse übst Du für das Schlagen; Dein Körper ist beweglich, damit Du den Gegner umkreisen kannst und er nie weiß, wann und wo ihn Deine Abwehr trifft.

Wenn Du nicht entschlossen und gut vorbereitet bist, um Deine Freiheit mit allen Mitteln zu schützen, ist es besser, Du gibst Dich geschlagen, ehe der Gegner Dich angegriffen hat. Wenn Du dich geschlagen gibst, bist Du nicht besiegt. Du behältst die Initiative des Entscheidens, starkest Deine Kräfte und nützt den Vorteil, dass der Gegner Dich unterschätzt.

Wenn Du Dich geschlagen gibst, ohne jede Chance zur Abwehr genützt zu haben, gibst Du Dich selbst auf, und Du musst Dich fragen: “Was ist der Sinn meines Lebens?”

Ob Du einen Angriff mit Worten oder mit dem Körper abwehrst – beides beginnt mit der Entschlossenheit in Deinem Denken.

Wenn Du einen Angriff nur halbherzig abwehrst, ermutigst Du den Gegner zu einem zweiten Angriff.

Einen Angriff mit Worten begegnest Du auf siebenfache Weise, wie es der Situation entspricht:
Du schweigst und horst gelassen zu, damit die Aggression an Dir vorbei ins Leere geht, weil Du nicht darauf reagierst.
Du lenkst den Angriff mit Fragen ins Leere, damit der Gegner seine Aggressionen mit seinen Antworten befriedigen kann.

Du bist fröhlich, wenn der Gegner wütend ist.

Du lenkst den Angriff mit einer taktischen Zustimmung und sagst: “Ja aber…..”, ohne dich festzulegen.
Du lenkst den Gegner gezielt vom Thema seines Angriffs ab.
Du legst Deinen Standpunkt entschlossen dar, damit der Gegner sich entscheiden muss, wie weit er gehen will.
Du gibst dem Angreifer überschwenglich recht, damit er sich als Sieger fühlt und keinen Grund mehr zum Angriff sieht.

Im manipulativen Spiel sind Angriff und Abwehr Bestandteil der großen Einheit:
Wenn Du stark bist und weißt, was Du willst, ist auch deine Abwehr stark.
Wenn Du entschlossen bist, Deine Freiheit und Dein Glück zu schützen, zögerst Du nicht.

Wenn Du Dich selbst und den Angreifer richtig einschätzt, weißt Du, ob Du den Angriff abwehren kannst oder flüchten sollst.

(aus dem Buch der Übungen nach J. Kirschner)

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