Wie neu geboren

„Um uns selbst zu finden, müssen wir uns manchmal erst verlieren.“
 – Paul Coelho

Manchmal muss ein Teil von uns „sterben“, bevor ein anderer Teil zum Leben erweckt werden kann. Auch wenn dies ein natürlicher und notwendiger Bestandteil unseres Wachstums ist, ist es oft schmerzhaft, und wenn wir nicht erkennen, was passiert, sind wir oft verwirrt oder irritiert.

In der Tat, Verwirrung und Desorientierung sind oft die Botenstoffe, die uns sagen, dass eine Verschiebung in uns stattfindet. Diese Verschiebungen oder Veränderungen passieren überall im Leben der Menschen. Beginnend in der Kindheit, bis zum Jugendalter und darüber hinaus. Mit jedem Übergang von einer Phase zur anderen, finden wir zu uns selber, wie zu einem alten Freund, von dem wir uns verabschieden müssen um die Identität zu erlangen, die wir brauchen, damit wir uns weiter entwickeln können.

Nicht selten gehen wir Menschen durch einen ganzen Lebensabschnitt mit einer schützenden Hülle um uns herum, die wir selbst erschaffen haben, errichten hohe Mauern, einfach weil wir es brauchen, um vielleicht von einem früheren Trauma geheilt zu werden. Wir nehmen uns zurück, um nicht angreifbar zu sein. Wir haben teilweise Angst, dass diese Mauern oder Hüllen um uns herum eingerissen werden, an denen wir doch so viele Jahre gebaut haben, hinter oder unter denen es sich doch so gut leben ließ. Wir zögern, vom Bekannten Abschied zu nehmen und gegen das Unbekannte einzutauschen. Unser heimliches Argument lautet: „Ich habe damit bis heute gelebt, wer weiß, ob man auch anders leben kann.“ Und genau in diesen Übergängen, oder in dem Prozess der Veränderung, kämpfen wir nicht selten gegen das an, was vorhanden ist – und sich nicht ändern lässt. Da steht das Glück vor der Tür und wir tun so, als wären wir nicht zu Hause.

Wir verurteilen uns. Wir kämpfen gegen unsere eigenen Werte, gegen unsere innere Stimme, gegen unsere Gefühle. Oft wird die Sonne des Lebens vermieden, kein Lachen, keine Leichtigkeit, keine Fröhlichkeit. All das Schöne wird als persönlicher Angriff gewertet, worunter es sich noch stärker leiden lässt. Doch eines Tages, obwohl wir uns doch so behütet fühlen, stellen wir fest, wie beschränkt, verwirrt und unruhig wir durch diese Mechanismen geworden sind.

Jetzt heißt es zu erkennen, dass der neue Teil von uns nicht innerhalb der Grenzen dieser Mauern oder Hüllen, was unser altes Ich zum Überleben benötigte, geboren wird! Wir fühlen eine seltsame Mischung aus Heiterkeit und Traurigkeit, wenn wir Abschied nehmen von einem Teil von uns, der sozusagen „im Sterben liegt“ und den Weg für eine ganz neue Identität frei macht, die an dieser Stelle entsteht. Wir können diesen Wandel assoziieren wie mit einem Bild eines Tieres, das sich häutet um Platz zu schaffen für ein neues Fell oder Federn. Wir können zum Beispiel eine Entenfeder, oder ein anderes Symbol für diese Transformation uns aufbewahren, was uns daran erinnert, dass eine Veränderung einfach der Weg der Natur ist und sich immer wieder entwickeln wird. Wir sollten uns zu diesem Prozess mit großer Liebe und Dankbarkeit hingeben, denn das Loslassen, was in dem Moment auch geschieht, kann ein Loslassen von unserer Vergangenheit, unserem Trauma aus der Kindheit sein, und wir werden mit einem offenen Geist und Herzen bereit sein, für diese Phase des Lebens.


– Marita Schroeder – 
The Future Force

2014 text by Marita Schroeder