We are ever on stage

Unsere Psyche ist oft der entscheidende Faktor für Sieg oder Niederlage. Spitzensportler wissen das.

Die Grundvoraussetzung für Höchstleistung ist, dass man sich mit seinem Tun zu 100 Prozent identifiziert. Dass man also regelmäßig in sich hinein hört, ob das, was man macht, auch wirklich das ist, was man will. Wenn man nicht mit ganzem Herzen bei der Sache ist, wird sich der Erfolg nicht dauerhaft einstellen. Erfolg geht nur über die ganze Persönlichkeit.
Wir müssen uns immer wieder selbst übertreffen.
Um auch morgen noch der oder die Beste zu sein, reicht es nicht, die einmal erreichte Spitzenleistung einfach nur zu erhalten. Nicht zuletzt solle man auch immer daran denken, regelmäßig seinen eigenen „Akku“ wieder aufzuladen und in „Gegenwelten“ einzutauchen, die nicht von Zielorientierung, Zeitdruck, Rationalisierung und Fremdbestimmung geprägt seien. Spaß haben, Köpfe frei machen. Wie wahr!

Die Angst, im entscheidenden Moment zu versagen. Elfmeter schaltet Gehirn aus.
Der Sportpsychologe Jürgen Beckmann von der Universität Potsdam untersuchte, weshalb manche Spieler unter Belastung besonders versagen – etwa beim Elfmeter. Bei manchen Spielern scheine diese Extremsituation das Gehirn auszuschalten. Nach einer aktuellen Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Bonn schießen deutsche Fußball-Erstligaprofis in Heimspielen beim Elfmeter sogar durchschnittlich 35 Prozent häufiger daneben als bei einem Auswärtsspiel.

Unser Gehirn besteht bekanntlich aus zwei Gehirnhälften, den sogenannten Gehirnhemisphären, die über einen Nervenstrang miteinander verbunden sind. Den beiden Hirnhälften werden bestimmte Funktions- und Leistungsbereiche zugeordnet.

Der Linkshirntyp

denkt logisch und analytisch strukturiert
kann gut argumentieren und erklären
hat eine klare Sprache
hat ein ausgeprägtes Zahlenverständnis
ist sprachbegabt
hat einen ausgeprägten Orientierungssinn
hat ein gutes Zeitempfinden
ist lösungsorientiert
kann Beobachtungen detailliert wiedergeben

Der Rechtshirntyp

ist kreativ und fantasievoll
hat gute musische Fähigkeiten
hat eine bildhafte Sprache und Denkweise
kann „lateral“ denken
kann und lässt sich leicht begeistern
löst Probleme intuitiv
lernt durch Beobachten, durch Aktion
erfasst komplexe Zusammenhänge ganzheitlich

Unter Druck dominiert oft die linke Gehirnhälfte: Die Spieler denken an die Schusstechnik, wollen alles richtigmachen, den Ball perfekt treffen. Das ist ungünstig. Eine geballte linke Faust aktiviert die rechte Gehirnhälfte und beseitigt die Dominanz der linken Gehirnhälfte. Rechts sind die räumliche Orientierung und das Ballgefühl lokalisiert. Das Ballgefühl kommt gewissermaßen durch das Ballen der linken Faust zurück, und der Ball landet im Tor. Am besten vor dem Schuss die linke Faust ballen.

Was übt man mit den Fußballprofis?

Oft hilft es, von Mustern abzuweichen, die Spieler vom stetigen flachen Schuss beim Elfmeterschießen nach links unten oder rechts unten abzubringen. Den muss man schon sehr scharf platzieren, damit der Torwart ihn nicht kriegt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuss gehalten wird, der über 1,60 Meter kommt, ist extrem selten. Dazu braucht man Nerven. Entweder der Ball geht spektakulär in den Nachthimmel. Oder der Torwart bleibt stehen und fängt ihn einfach – es gibt solche Schüsse von Andrea Pirlo.

Nur wenn man in die Mitte schießt, dann ist das natürlich maximal peinlich. Dennoch lohnt es sich, diese Angst vor der Blamage zu überwinden. Es gibt eine Schräglage: Der Torwart kann beim Elfmeterschießen nur gewinnen, die Spieler nur verlieren. Ein immenser nervlicher Druck.

– Marita Schroeder – The Future Force

2015 text by Marita Schroeder

Quelle/Auszug aus: Am besten vor dem Schuss, die linke Faust ballen