Mit erhobenem Haupte SELBSTBEWUSST

Stellt Euch vor, Ihr steht im alles entscheidenden Spiel um den Aufstieg in die 1. Bundesliga, auf dem Platz. Im Stadion: Zehntausende…dazu fangen hunderte Kameras Euch aus allen Blickrichtungen ein. Euer Spiel wird in die Wohnzimmer Eurer Fan‘s übertragen, Eure Aktionen erscheinen vielleicht auf den Leinwänden als Public Viewing in Eurer Stadt. Und viele Menschen sehen zu, wie Ihr Euch auf dem Fußballplatz anstellt….oh fucking.

Ihr erkennt eine riesige Chance. Was würde Euch jetzt am meisten helfen?

Im  Grunde könnte jede Theorie zur Anwendung kommen. Jedoch: Die eine mehr, die andere weniger. Mir scheint hier ein Gedanke des berühmten, inzwischen 88-jährigen kanadischen Psychologen Albert Bandura entscheidend. Er führte in den 1970er Jahren die Idee (Das Konzept) der Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) ein.

SWE bezeichnet die Erwartung einer Person, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können. Ein Mensch, der daran glaubt, selbst etwas zu bewirken und auch in schwierigen Situationen selbstständig handeln zu können, hat demnach eine hohe SWE. Eine Komponente der SWE ist die Annahme, man könne als Person gezielt Einfluss auf die Dinge und die Welt nehmen, statt äußere Umstände, andere Personen, Zufall, Glück und andere unkontrollierbare Faktoren als ursächlich ansehen. Manche Psychologen vertreten die Ansicht, dass Selbstwirksamkeit(-erwartung) ein natürliches Bedürfnis des Menschen ist. Weiter bezeichnet SWE die eigene Erwartung, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können. Erfolgreich bewältigte Krisen stärken diese Zuversicht. Die Erregung bei ähnlichen Aufgaben wird begrenzt, wodurch die Sicherheit für richtige Entscheidungen steigt.

„Wir wussten, dass wir zu jedem Zeitpunkt gewinnen können!“

Diese Aussage spricht für eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung, wie sie Sportler mit einem hohen Vertrauen in ihre eigene Fertigkeiten haben. Folgendes kann und könnte die Selbstwirksamkeitserwartung hoch halten:

Effizienz und Beharrlichkeit

Der Weg zum Aufstieg war durch rauschhafte Spiele genauso gekennzeichnet, wie durch hart erkämpfte und letztlich ausreichende Ergebnisse. Durch beide Sorten von Spielen wurde die Selbstwirksamkeitserwartung gestärkt. Konzentration bis fast zum Ende. Kein Nachlassen, keine Überheblichkeit. Motiviert und voller Entschlossenheit. Die Dynamik von Kraft und Mut entstand, kämpferisch bestimmt und entschlossen. Der Archetyp des Helden, Tapferkeit und auch Draufgängertum. Bewegung schreitet so ins Spielfeld.
Daran konnte man die hohe SWE der Mannschaft erkennen.

Die finale Prüfung – und deren Bewältigung

Wenn Ihr also eine Situation mit sehr großem Druck, hervorragenden Chancen zu bewältigen habt, hilft am besten: Eine gut ausgeprägte, nachhaltig entwickelte Selbstwirksamkeitserwartung. Durch alle Erfolge, die knappen, wie die klaren Resultate, die bewältigten Risikomomente und den Willen, jetzt all das in die Waagschale zu werfen, kamen die Spieler in ihre privilegierte Position. So kam der entscheidende psychologische Vorteil zustande – der die sportliche Vorbereitung ergänzte. Eine Mannschaft, die diese Zuversicht, diese Erwartung der Fähigkeit zum Erfolg besitzt, funktioniert nicht nur intern besser – Fehler werden weggesteckt, gegenseitig ausgebügelt. Diese selbstsichere Ausstrahlung überträgt sich zugleich auf die gegnerischen Spieler. Diese haben den gleichen Druck, die Zuspitzung von Chancen und Risiken für den Aufstieg, die künftige Karriere, ja das künftige Leben insgesamt, komprimiert auf 90 Minuten Fußballspiel. Spüren sie die Zuversicht des Gegners, droht ihre eigene Hoffnung wegzubrechen und das aufziehende Risiko-Szenario lässt die Konzentration wegkippen.

Erkenntnis für die Spieler

Wenn Ihr in wirklich schwierigen Situationen innerlich gelassen hinein geht, strahlt aus, dass Ihr sie beherrscht. Das beeindruckt den Trainer, die Anwesenden und das ganze Publikum und führt letztlich zum Erfolg.
Noch etwas in eigener Sache, was ich immer wieder betone: Nutzt daher jede Gelegenheit, die für Euch schwierige Situationen aufzusuchen und zu bestehen. Drucksimulationstraining kann dabei helfen, ein Verhalten in Extremsituationen zu stabilisieren. Basketballer zum Beispiel trainieren häufig Spielzüge unter extremen Zeitdruck. Ziel dieser Trainingsformen ist es, überlegt und handlungsleitend auch unter Stress zu sein. Je öfter wir solche Situationen erleben, desto routinierter und automatisierter können wir mit einem solchen Moment umgehen
Am besten: Macht vorher einen Match-Plan und danach einen geistigen Sieges-Plan.

„Wir haben den Schlüssel bereits in der Hand, wahre Meisterschaft
erfolgt über unsere Emotionen.“

Omne trium perfectum – Alles war perfekt

– Marita Schroeder – The Future Force

© 2017 text by Marita Schroeder