Erwartungen – im Auge des Betrachters.

 

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Erwartungen lassen uns keinen Moment der Ruhe, weil sie dazu führen, dass uns keine Situation wirklich zufriedenstellt. Unser Mangel an Zufriedenheit spiegelt wider, wie sehr wir mit uns selbst unzufrieden sind, wie sehr wir uns als unzulänglich empfinden. Erwartungen hängen eng mit Perfektionismus zusammen. Für einen Perfektionisten ist alles ein Fehlschlag, wenn es nicht perfekt ist. Wenn es ihm in der letzen Zeit nicht gelungen ist, „Wasser in Wein“ zu verwandeln, dann hält er sich höchstwahrscheinlich für einen Versager. Und als Versager gestattet er sich nie eine Belohnung für das, was er tut. Erwartungen bewirken vor allem eines: sie lassen dich nicht zur Ruhe kommen.

Wenn Du eine Sache abgeschlossen hast, treibt dich dein Perfektionismus schon dazu, die nächste Sache anzugehen; da bleibt keine Zeit, da ergibt sich keine Gelegenheit für Ruhe und Belohnung. Und weil es nicht zu einer Ruhepause kommt, fehlt dir auch die Vorstellungskraft für einen weiteren und höheren Blickwinkel. So nimmst Du ständig lediglich kleine Änderungen vor und siehst nicht, welchen Riesensprung Du tun könntest. Du machst dir ständig Sorgen, tust immer wieder die angeblich letzte noch notwendige Kleinigkeit, machst dir immer viel zu viel Arbeit und tust immer zu viel. Manche Perfektionisten bemühen sich erst gar nicht, etwas zu tun. Sie gehen davon aus, dass sie es ja doch nicht perfekt machen können. Warum also beginnen? Aber selbst wenn Du überhaupt nichts tust, bleibst Du, in deinem Inneren, dem Stress und all dem Druck ausgesetzt. Du kommst innerlich einfach nicht zur Ruhe.

Als Perfektionisten ist unsere Aufmerksamkeit darauf gerichtet, Fehler und Schwächen bei uns und anderen Menschen besonders gut zu erkennen. Selbst wenn Du etwas 100-prozentig machst, können sich Perfektionisten nur selten freuen. Sie hätten es ja vielleicht noch besser machen können.

Perfektionismus hat Auswirkungen auf unseren Körper: Es führt zu körperlicher Anspannung und Stress.
Perfektionismus hat Auswirkungen auf unsere Gefühle: Wir haben ständig Angst vor Fehlern, Angst zu versagen, Angst vor Ablehnung.
Perfektionismus hat Auswirkungen auf unser Verhalten: Wie vermeiden es, uns Ziele zu setzen, weil wir uns dadurch Enttäuschungen ersparen wollen.

Wo liegen die Ursachen des Strebens nach Perfektion? Irgendwann in unserem Leben – gewöhnlich in der frühen Kindheit – haben wir öfters die Erfahrung gemacht, dass wir nur dann Zuwendung und Anerkennung bekommen, wenn wir perfekt sind und die Erwartungen der anderen erfüllen. Wir fühlen uns nicht in Ordnung und liebenswert und sind deshalb sehr stark auf die Anerkennung unserer Mitmenschen angewiesen. In der Perfektion sehen wir die Lösung, Anerkennung zu bekommen, bzw. Ablehnung zu vermeiden. Letztendlich sind für den Perfektionismus ein geringes Selbstwertgefühl und die daraus resultierende Angst, nicht gut genug zu sein und die Angst vor Ablehnung verantwortlich.
Vielleicht kennt Ihr auch den Satz: „Dir kann man auch gar nichts recht machen!“

Was ist zu tun?

Belohne dich für deine eigenen Leistungen, und ziehe dich zurück. Gestatte dir die Ruhe, die den weiteren Blickwinkel ermöglicht. Entscheide frei in jeder Situation, dass es gut ist, so wie es ist. Wirf all deine Erwartungen von dir und spüre, wie dich die Leichtigkeit des Lebens voranträgt.

Trotzdem und deshalb ist es in Ordnung, etwas perfekt oder gut machen zu wollen, und ehrgeizig zu sein. Schädlich ist nur, sein Selbstwertgefühl und seine Selbstachtung von seiner Leistung abhängig zu machen.

„Zu viel Zeit verbringen wir auf der Suche nach Perfektion
– nur vergisst man zu schnell, dass sie
immer im Auge des Betrachters liegt.“