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My mind is all over the place

Vor kurzem habe ich diese wunderbare Mentalmassage im Buch von Peter Schellenbaum entdeckt. Diese möchte ich euch nicht vorenthalten. Ich habe diese Massage ausprobiert und praktiziere sie noch heute. Die Mentalmassage zeigt einen praktischen Erfahrungsweg, der unmissverständlich zeigt, dass unser Organismus ein unvorstellbar großes Potential an Selbstgesundung enthält. Zu dessen Belebung ist von meiner Seite her nichts nötig als entspannte, wohlwollende Aufmerksamkeit auf das, was von alleine geschieht, sofern wir nicht behindern. Nicht die Liebe, sondern die Angst vor ihr bedarf der Therapie. Liebe bricht spontan in unserem Leben auf, sobald die Widerstände gegen sie schwinden.

Auf diesem Erfahrungsweg geht es um die Entfaltung der Selbstliebe durch vorurteilslose Aufmerksamkeit für autonome Vorgänge im eigenen Körper. Die bewusste Zuwendung, die wir uns schenken, hat nichts mit Autosuggestion zu tun. Ich rede mir nicht ein: „Mein Körper ist von leuchtender Gesundheit“, sondern ich lasse den Körper sich aussprechen und bin bereit, auch  schmerzliche Botschaften von ihm zu hören.

Es ist kein schwieriger Weg den ich vorschlage, keine Gefühlsausbrüche, kein Durchfall oder Ähnliches, sondern ein innerer, sehr inniger Weg, auf dem sich ungesunde Verkrampfungen und Verspannungen von alleine lösen, wenn wir uns ihnen zuwenden.

Die Mentalmassage dient der Einübung der Körperaufmerksamkeit: auf mentalem, das heißt geistigem Weg „massieren“ wir uns selber. Sie bewirkt Entspannung und Wohlbefinden. Die Erfahrung, die man dabei machen wird hört sich banal an: „Ich spüre das, was in meinem Körper alleine geschieht.“

Ich beginne zuerst mit der gelenkten Mentalmassage und komme dann später auf die improvisierende Mentalmassage.

Die gelenkte Mentalmassage hat auch den Sinn, dass sie mit den vielfältigen Körperempfindungen, die durch Mentalmassage geweckt werden können, vertraut macht. Ist dies gelungen, steht es uns frei, ab und zu den Grundweg zu verlassen und in die improvisierende Mentalmassage, eine eigene, jetzt erspürten Spur zu folgen. Würden wir uns auf einen festen Übungsablauf fixieren, bestünde die Gefahr, dass die Mentalmassage zu einem äußerlichen Ritual verfremdet und somit unwirksam würde. Die erneute Rückkehr zum Grundweg in der gelenkten Mentalmassage ist vor allem in Zeiten der Krisen und Belastungen, wenn das spontane Erspüren blockiert ist, sehr hilfreich.

Wir legen uns bequem auf den Rücken, mit locker ausgestreckten Armen und Beinen, den Kopf nach oben, also nicht seitwärts gedreht, und mit verschlossenen Augen. Soweit es uns möglich ist, versuchen wir unsere Muskeln zu entspannen. Die Muskelentspannung und die Atmung, werden sich im Laufe der Mentalmassage von alleine vertiefen.

Nun wenden wir entspannt, ohne Willensanstrengung, die Aufmerksamkeit den Handflächen zu. Jetzt warten wir einfach darauf, was in unseren Handflächen geschieht. Vermutlich werden sie bald warm, beginnen angenehm zu kribbeln und unter der verstärkten Blutzufuhr leise zu vibrieren. Wir gehen erst weiter, wenn die Empfindungen in den Handflächen nach einer Steigerung anfangen, etwas nachzulassen.

Dann wandern wir mit der Aufmerksamkeit langsam gleichzeitig beiden Armen entlang hoch und verweilen immer dort, wo die Empfindung stärker ist. Wenn auch die entspannten Muskeln auf die Mentalmassage zu reagieren beginnen, spüren wir diese besonders deutlich. Die Oberarmmuskeln, denen wir uns nun widmen, darauf die Brustmuskeln und im Zusammenhang mit dem linken Brustmuskel auch der Herzmuskel fangen an, abgesehen von der Arbeit, für die sie gemacht sind, sich zu bewegen und zu lockern.

Im Herzmuskel führen die feinen Eigenbewegungen, die mit der Leistung des Herzschlags nichts zu tun haben, zu einem entspannten, sicheren Wohlbefinden.

Im Sport ist die erste Reaktion auf Verkrampfungen meist Abwehr gegen die verkrampfte Stelle. Es wird unbewusst Widerstand gegen die Verkrampfungen und dem ganzen des Organismus erzeugt. Widerstand gegen den Widerstand. Dadurch wird die Blutzufuhr herabgesetzt. Dieser Zusammenhang lässt sich bei einem Wadenkrampf leicht beobachten. Sobald wir uns der Abwehr gegen die betroffene Stelle bewusst werden und sie in Aufmerksamkeit wandeln, löst sich der Krampf meist in kurzer Zeit. So können auch Sportler durch lokale Mentalmassage ihre Angstabwehr gegen einen Muskelkrampf oder einen infolge von Überbeanspruchung schmerzenden Muskel auflösen. Die Leistungsfähigkeit der Muskel wird wieder erhöht.

Wir sind also über die Handflächen langsam bis zu den Schultern empor gewandert und haben angefangen, an der Vorderseite des Körpers hinabzusteigen. Bei vielen Menschen spricht die Brust beidseitig kräftig auf die Mentalmassage an. Gerade nervöse und in Beziehungen gehemmte Menschen, spüren hier ein starkes Wohlbefinden, das in den ganzen Körper ausstrahlt. Das Wohlbehagen verstärkt sich, wenn wir die Aufmerksamkeit gleichzeitig auf beiden Seiten der Brust ruhen lassen. Im Gegensatz zum Autogenen Training ist die Mentalmassage immer polar. Das gilt auch für die gleichzeitige Aufmerksamkeit für beide Handflächen und beide Arme. Aus diesem Grunde ist Mentalmassage nicht nur entspannend, sondern auch anregend.

Nun lassen wir die Aufmerksamkeit auf der Vorderseite des Körpers nach unten gleiten und sich im Bauch breit machen. Wir folgen einfach jenen Stellen im Bauch, wo sich Leben (Bauchknurren etc.) am intensivsten bemerkbar macht, und verweilen bei ihnen. Nach und nach fühlen wir uns, als seien wir soeben aus einem erholsamen Mittagsschlaf erwacht. – Nun beginnt sich auch der Darm da und dort durch die verstärkte Blutzufuhr zu bewegen. Wiederum folgen wir achtsam dem Körper.

Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit nach und nach auf die Geschlechtsteile. Dabei verfolgen wir nicht einen bestimmten Zweck, etwa den der sexuellen Reizung und Aufladung. Wir lassen die Vibrationen einfach kommen und gehen, wie sie wollen. Mal sind sie stärker, mal schwächer, das spielt keine Rolle. Wir wandern jetzt der Vorderseite der Füße entlang bis zu den Zehenspitzen und von diesen wenden wir uns den Fußsohlen zu. Die Fußsohlen sind außerordentliche Kraftstellen. Es lohnt sich, länger dort zu verweilen. Oft bewirkt schon die erste Zuwendung der Aufmerksamkeit, dass eine heiße Energiequelle von den Füßen durch die Beine und den ganzen Körper emporschießt. Hier gilt auch, nicht durch eine zusätzliche Willensanstrengung, das Ganze zu verstärken. Wir bleiben achtsam und ruhig bei den Fußsohlen, es entsteht eine innige und intensive Empfindung auf. Dies ist auch ein Hinweis, wie unbewusst wir im Alltag auf unseren Füßen, das heißt auf der Erde und dem Boden der Wirklichkeit stehen.

Nun folgt die aufsteigende Bewegung durch die hintere Körperhälfte. Indem wir langsam den Beinen entlang zum Gesäß gleiten, spüren wir, wie sich unser Wohlbehagen formt und immer umfassender wird.
Die Empfindungen im Vorderteil des Körpers sind nicht verschwunden. Auch wenn sie wieder abgenommen haben, vibrieren sie doch noch im Gesamtorganismus mit. Die Selbstliebe breitet sich aus und äußert sich in einer immer vollständigeren Schwingung des ganzen Körpers.

Von allen Seiten „umfassen“ wir das Gesäß, bis wir es ganz spüren, und steigen dann behutsam den Rücken entlang hoch, halten inne, wo das Leben stärker „anschlägt“. Je nachdem, wo jetzt unsere Empfindungen auftreten, wandern wir den Rücken entlang hoch und lassen unsere Aufmerksamkeit polarisieren, wie es uns wohltut.

Im Nacken werden wir vermutlich länger verweilen, weil hier starke Empfindungen, manchmal zu Beginn Schmerzen, dann lösende, lockernde, ziehende Empfindungen auftreten. Indem wir diesen nicht ausweichen, sondern in ihnen aufgehen, schließen wir den Kopf und seine Gedanken dem Gesamtorganismus an. Wir steigen nun weiter den Hinterkopf entlang hoch bis zum Scheitel.

Hier haben wir vielleicht das Gefühl, dass wir wie von oben angezogen werden – es könnte die Sonne sein. Empfinden wir dies, wird der Atem noch tiefer, als er im Laufe der Mentalmassage ohnehin schon geworden ist. Wir lassen nun unsere Aufmerksamkeit nach vorne über das Gesicht und um den ganzen Kopf streichen. Unsere Gesichts- und Kopfhaut kribbelt wie unter einer heimlichen Liebkosung. An Stellen, die uns vielleicht nicht so gefallen, streichen wir besonders behutsam.

Zum Schluss erfüllen wir mit unserer Aufmerksamkeit möglichst lange und ausdauernd den Körper als Ganzes. Die neu belebte Energie strahlt aus.

Im Gegensatz zur gelenkten Mentalmassage, erwarten wir in der improvisierten Mentalmassage das erste und alle folgenden Lebenszeichen direkt vom Körper. Wir richten also die Aufmerksamkeit nicht vorrangig auf die beiden Handflächen, sondern überlassen dem Körper die Initiative. (Das ist sehr wichtig,  da jeder zu seinem eigenen Körper finden kann.) Vielleicht meldet er sich zunächst mit einem Schmerz an einer bestimmten Stelle. In diesem Fall schenken wir der schmerzenden Stelle ohne Abwehr und unsere ganze Aufmerksamkeit. Der Schmerz ist neutral, er ist einfach „richtig so“: er ist, was wir sind. Unsere wache Aufmerksamkeit wird also identisch mit ihm. Diesen Vorgang meint wohl die unglückliche formulierte Aussage, einen Schmerz „anzunehmen“. Genau gesehen, wäre es Masochismus, einen Schmerz einfach anzunehmen, denn das würde bedeuten, dass wir etwas Fremdes gegen unser Empfinden an uns nehmen. Wenn wir einen Schmerz nur „annehmen“, als käme er wie „angeflogen“ von außen her, geschieht nichts, außer, dass wir vielleicht depressiv werden. Erleben wir uns jedoch ohne Abwehr im Schmerz, geschieht unerwartet viel.

In der Mentalmassage löst sich der durch Verspannung entstandene Schmerz oft schnell und macht vielerlei spontan auftretenden Körperregungen und -empfindungen Platz.
Wenn wir genug Zeit haben, dehnen wir die Wanderung durch den Körper so lange aus, wie die Aufmerksamkeit an den verschiedenen Körperstellen anhält. Diese Bemerkung gilt sowohl für die gelenkte, als auch für die improvisierende Mentalmassage. Haben wir wenig Zeit, genügen zur Belebung oft schon wenige Minuten und diese wenigen Minuten reichen aus, damit wir uns frisch und erholt fühlen. Wenn wir Schlaf brauchen, fördert sie die zum Einschlafen erforderliche Entspannung. Sie wirkt auch bei Durchschlafstörungen. Sie heilt, in dem sie zu einem neuen, wachstumsfördernden Leben befreit.

(Quelle: Peter Schellenbaum – Auszug „Befreiung der Lebensenergie“)