Bevor Du lernen kannst, andere zu besiegen –

                                                              – musst Du erst mal lernen, gut zu stehen.

Lerne, dass Nachgeben Verteidigung und gleichzeitig Angriff ist, denn der Gegner gegen sich selbst führt. Ist denn Nachgeben nicht einfach ein Zeichen von Schwäche? Soll ich jetzt vor meinen Gegnern davonlaufen und ihnen kampflos das Feld überlassen? Mitnichten.
Die Fähigkeit, nachzugeben, ist in unserer Sammlung von erfolgreichen Möglichkeiten, die universellste und mit Abstand die mächtigste. Dass Nachgeben als Schwäche gesehen wird, zeigt uns außerdem, dass sie zu den verborgenen Waffen gehört. Und da der Gegner nie erkennen kann, wann wir sie einsetzen, ist sie praktisch nicht abzuwehren. Wer weichen kann, so zeigt uns die Natur, wird überleben.
Bevor ich jetzt noch tiefer in das Prinzip des Nachgebens eintauche, möchte ich dir demonstrieren, was damit möglich ist. Da Du für diese Übung einen Partner brauchst, machst Du diese auch erst dann, wenn ein solcher vorhanden ist.

  • Stelle dich mit leicht gegrätschten Beinen fest auf den Boden. Der Abstand zwischen deinen Füßen sollte ungefähr eine Armlänge betragen. Kippe dein Becken leicht nach vorne, so dass es über die Fersen kommt. Schließe deine Augen.
  • Konzentriere dich jetzt auf deinen Körper. Beginne bei den Fußsohlen und fühle deine Verbindung mit dem Boden. Spürst du, wie dein Gewicht auf dem Boden lastet? Wie du beginnst, dich wie ein Baum mit diesem zu verwurzeln? Ehrlich sein, nichts einreden, das bringt nichts. Es kann 5 oder auch 10 Minuten dauern, bis sich dieses Gefühl einstellt.
  • Wenn Du dann meinst, wirklich fest zu stehen, rufst Du einen Partner. Dessen Aufgabe ist es, ganz vorsichtig zu versuchen, dich aus dem Gleichgewicht zu bringen.
  • Dazu legt er seine flachen Hände oberhalb deiner Brust und gibt dir einen ganz leichten, weichen Stoß.
  • Falls Du jetzt versuchst, dem Druck standzuhalten, wirst Du umfallen. Du bist ein Baum, vergiss das nicht. Fest verwurzelt und doch fähig, nachzugeben.
  • Gehe mit der Bewegung mit, weiche ihr nicht aus. Nun steigert dein Partner ganz langsam die Kraft der Stöße.
  • Nicht dagegenhalten, ausbalancieren lassen…

In einem Kampf gibt es nun zwei Wege, die Technik des Nachgebens anzuwenden. Man kann tatsächlich weichen, um die Angriffsenergie des Gegners an einem vorbeizulassen. Man kann das Nachgeben aber auch nur vortäuschen, um selbst Raum zum Angriff zu gewinnen. Das echte Nachgeben, und sei es auch nur für einen kurzen Moment, ist eine stark unterschätzte Möglichkeit, den Verlauf eines Kampfes zu verändern.

„Unser Fokus sollte nicht auf den Kampf, sondern auf
den Sieg gerichtet sein. Nicht auf das Beweisen des eigenen
Mutes, sondern schlicht auf den eigenen Vorteil.“

– Marita Schroeder – The Future Force

© 2015 text by Marita Schroeder