Archiv für den Monat: März 2014

Veni, vidi, violini – ich kam, sah und vergeigte – nicht!

Die Geschichte des Tormanns (J.Kirschner)
Die Geschichte beginnt in dem Augenblick, in dem der Schiedsrichter nach einem Foul pfeift und auf den Elfmeterpunkt zeigt. Von jetzt an sind für einige Minuten 20 Spieler aus dem Match ausgeschlossen. Alle Augen richten sich auf den Schützen und den gegnerischen Tormann.

Wenn der Torschuss gelingt, wird der Kommentator im Fernsehen meistens sagen: »Der Schuss war unhaltbar. Der Tormann hatte keine Chance. Wahrscheinlich aber hatte der Tormann nur deshalb keine Chance, weil er genauso dachte, wie der ahnungslose Fernseh-Kommentator.
Wenn beide ihre Vernunft benützten um das Elfmeter-Phänomen gründlich zu analysieren, kämen sie vermutlich zu dem Schluss, dass der Tormann immer eine Chance hat, einen Elfmeterball zu erwischen. Immer. Und zwar aus folgenden fünf Gründen:

Erstens:
Wenn der Ball den Schuh des Schützen verlässt, fliegt er elf Meter weit auf das Tor zu. Nichts kann mehr seine Richtung verändern.

Zweitens:
Weil ein routinierter Schütze das weiß, nützt er seine Chance in den Augenblicken vor dem Abschuss: Er versucht, den Tormann durch Körpertäuschung in die Irre zu führen.

Drittens:
Wenn der Tormann seinen Blick auf den anlaufenden Schützen fixiert, um vorherzusehen, wohin er den Ball treten wird, konzentriert er sich zwar auf den Mann, aber nicht auf den Ball. Das runde Leder fliegt inzwischen elf Meter weit. Wenn der Tormann nun versucht, die Konzentration vom Schützen auf den Ball umzulenken, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er es in der kurzen Zeit nicht mehr schafft. Meistens wirft er dann seinen Körper dorthin, wo ihn der Schütze durch seine Täuschung hingelockt hat.

Viertens:
Ganz anders sieht es aus, wenn der Tormann sich von Anfang an auf nichts anderes konzentriert als auf den Ball. Wobei er den Schützen völlig unbeachtet lässt. 
Der Tormann denkt also nicht: „Der Schütze läuft von links nach rechts an. Er wird den Ball vermutlich auf meine rechte Seite schießen.“
Er denkt überhaupt nicht. Schon gar nicht denkt er daran, was der
Schütze denken könnte. 
Denn – und das gilt für den Einsatz von Vernunft, Emotion oder Instinkt ganz allgemein – der Elfmeter-Schuss vollzieht sich so blitzschnell, dass sich der Tormann einzig und allein auf seinen Instinkt verlassen muss.

Fünftes:
Wenn er sich also ganz auf den Ball konzentriert und sowohl das Denken als auch die Angst vor dem Versagen ausschalten kann, wird das eintreten, was man „Der Tormann ist eins mit dem Ball.“ 
nennt. Nichts stört ihn. Kein Manöver des Schützen, keine Spekulation, kein Gefühl. Er sieht nicht, er hört nicht, er denkt nicht. Er ist eins mit dem Ball und fliegt mit ihm dorthin, wo er das Tor erreicht.

„Konzentration ist die Fähigkeit, absolut nicht zu denken,
wenn es absolut notwendig ist.“

Das Spiel meines Lebens

„Der Wille zum Sieg. Der Wunsch, erfolgreich zu sein.
Der Drang, sein volles Potenzial zu erreichen – das sind
die Schlüssel,  mit denen die Tür zu persönlichen
Spitzenleistungen freigeschaltet wird.“

Um das Spiel deines Lebens zu spielen, hast Du immer zwei Möglichkeiten:

Entweder Du spielst mit – oder Du überlässt es dem Gegner, sein Spiel
mit dir zu treiben.

Wenn Du dein Spiel des Lebens dem Gegner überlässt, verzichtest Du von vorne herein auf die Chance,  aus eigener Kraft möglichst frei und glücklich zu sein. Frei und glücklich für den Sieg. Vielleicht bist Du ab und zu glücklich. Ein bisschen. Aber nur so viel, wie es andere oder der Zufall es zulassen. Wenn Du zu diesen Leuten gehören solltest: Tröstest Du dich, du bist ein Teil der großen Masse. Oder – um es freundlicher auszudrücken – Du gehörst zur Sorte von Sportlern, die zu Olympischen Spielen fahren, mit keinem anderen Gedanken im Kopf als: „Dabeisein ist alles“.

In Wahrheit bist Du natürlich nicht dabei. Du hast eine richtige Funktion. Du hast das absolute Potential für die Sieger. Denn ohne Verlierer kann es keine Sieger geben. Sieger und Verlierer im Kampf um Geld, Macht, Ruhm, Anerkennung und Pokale, die in den Wettkämpfen unentwegt verteilt werden, haben eines gemeinsam: Sie haben den Kampf schon verloren, noch ehe er beendet ist. Am Ende dieser sich unendlich wiederholenden Geschichte ist jemand, der von vorne herein als Verlierer antritt, immer noch besser dran, als ein gedemütigter Sieger, der sich verzweifelt fragt: „Verdammt noch mal. Wozu habe ich alles das auf mich genommen, wenn ich jetzt genau dort gelandet bin, wo ich niemals hin wollte.“ Es gibt Spieler, die spielen nur noch zwecks des Geldes.

Jetzt weißt Du also, was der Satz bedeuten soll: Wer kämpft, hat schon verloren. „Aber was“, wirst du jetzt verzweifelt fragen, „was wäre die bessere Alternative zu diesem altbewährten Ritual des ewigen Kampfes?“ Ganz einfach: Die bessere Alternative zum Kampf wäre das Spiel. Der Kämpfer kämpft um zu siegen. Aber wenn er endlich gesiegt hat, ist er auf Gedeih und Verderb dem Kreislauf aller Sieger ausgeliefert: Er wird bewundert, gefeiert, benützt und von all denen angetrieben, die von seinem Einsatz profitieren. Allerdings nur so lange, wie er weiter siegt. Der Kämpfer kämpft nicht für sich selbst. Er kämpft für alle anderen, die daran interessiert sind. Natürlich kämpft er auch für die Zuschauer, die jemanden brauchen, der sie durch seine Heldentaten vergessen lässt, dass sie selbst Versager sind.

Und der Spieler?

Nun, der Spieler tritt mit der Einstellung an, zu spielen, statt zu kämpfen. Er weiß: „Wer nicht aufhört zu spielen, kann nie verlieren“. Sein Sieg besteht nicht darin, unter dem Jubel der Masse einen Gegner niederzuringen. Der Spieler kämpft weder für noch gegen jemanden. Er entscheidet selbst, ob er und gegen wen er spielt und welche Strategie er anwendet. Der Spieler, der wahre Spieler, besiegt immer nur sich selbst. Sein größter Sieg besteht darin, den Wunsch zu besiegen, einen Gegner zu demütigen, um sich selbst zu erhöhen. Sein Glück besteht darin, auch in der Niederlage glücklich zu sein.
Lass mich diesen Satz noch einmal schreiben, falls Du ihn verständnislos überlesen haben solltest: Das Glück des wahren Spielers besteht darin, auch in der Niederlage glücklich zu sein. Dies bedeutet, dass es für Dich gar keine Niederlage gibt, weil es völlig gleichgültig ist, ob dich jemand bewundert oder nicht. Du spielst um des Spielens willen und kämpfst nicht, um anderen etwas zu  beweisen.

Der wahre Spieler ruht in sich selbst!
Vermutlich hast Du einige Schwierigkeiten, solchen Überlegungen zu folgen – in einer Zeit, in der kaum noch jemand den Wettkampf, die Bundesliga, die Champions League als Spiel betrachtet, sondern nur noch als das, was man gemeinhin unter „(Über)Lebenskampf“ versteht.
Niemand erwartet von dir, dass Du dich ernsthaft fragst: „Zu welchem Typ von Mensch gehöre eigentlich ich selbst. Zu den Kämpfern oder Spielern, den Verlierern oder Versagern?“ Aber – auch wenn Du es als hinterhältig empfindest – es ist Bestandteil des Spiels, in das meine Worte dich einbeziehen versucht, sich nüchtern der Situation deines augenblicklichen Lebens zu stellen. Vielleicht wird dir dann bewusst, dass Du selbst ein Teil dieses Kampfes bist, dem sich niemand entziehen kann. Es sei denn, er beschließt, sich auf die Seite der Spieler zu schlagen.

8 Regeln, ein Spiel zu gewinnen:

  1. Im Spiel ist jeder dein Gegner, wenn er nicht dein Team-Partner ist. Wenn Du nicht an den  Sieg  glaubst, darfst Du dich nicht wundern, wenn Du jedes Spiel  verlierst.
  2. Spiele deine größte Stärke aus, wenn der Gegner seine größte Schwäche zeigt.
  3. Der wahre Sieger gewinnt ein Spiel auch dann, wenn er es in den Augen anderer verliert.
  4. Der Maßstab deines Sieges ist das Ergebnis des Spiels, gemessen am Ziel, das Du dir  gesteckt  hast. Es gibt keine noch so überzeugende Aussage, mit der Du dein Versagen  rechtfertigen  solltest.
  5. „Tanze “ mit dem Gegner, aber bestimme Du den Rhythmus selbst.
  6. Verlasse dich im Spiel auf niemand anderen, als auf dich selbst. Wenn Du die Chance hast, dann schieße den Ball ins Netz.
  7. Im Kampf bist Du gezwungen, dich dem Gegner zu stellen. Im Spiel lässt Du ihn so lang  ins  Leere laufen, bis er gerade noch die Kraft besitzt, Dir am Ende die Hand zum Sieg zu  reichen.
  8. Ein Spiel zu gewinnen ich auch eine Frage der Persönlichkeit und eine starke Psyche macht dich als Fußballer gefährlich.

 

– Marita Schroeder – The Future Force

© 2014 text by Marita Schroeder

 

 

 

Das Reaktions-Spiel

„Die richtige Entscheidung fällt in einem
winzigen Augenblick, und alles hängt davon
ab, wie gut Du darauf vorbereitet bist.“

Es liegt im Wesen des Reaktions-Spiels, dass es dabei immer um Augenblicke geht. Die Augenblicke der endgültigen Entscheidung. Auch wenn Du eine Woche lang Zeit hast, dich darauf vorzubereiten, letzten Endes kommt der Moment in dem Du „Ja“  oder „Nein“  oder „Vielleicht“ sagen musst.
Es sei denn Du entscheidest nicht selbst, sondern überlässt es dem Gegner.
Dann allerdings ist es gar nicht erforderlich, dass Du weißt, wie das Reaktion-Spiel funktioniert, und wie man es gewinnen kann.
Auf den entscheidenden Moment spitzt sich also jeder Spielverlauf zu. Und manchmal haben wir dafür nicht einmal Bruchteile einer Sekunde Zeit, sondern Anstoß und Reaktion gehen ineinander über.
Du kennst doch die Situation: Der Ball taucht vor dir auf.
Du überlegst, was Du tust. Aber während du noch überlegst, ist das Spiel schon verloren.
Dein schwerfälliger Gedanke hat deine spontane Reaktion verhindert.

Oder du reagierst so:

Instinktiv und gleichzeitig mit dem Auftauchen des Balls, zwischen Abgabe und Reaktion ist nichts. Kein Gedanke, kein Gefühl. Du bist durch dieses NICHTS eins mit dem Geschehen. Nachher wirst Du sagen: „Ich habe keine Ahnung, wie ich es schaffen konnte. Aber es ist gut gegangen“
„ES“ ist gut gegangen. Aber was ist diese mysteriöse, ungelenkte, ungebremste Kraft des „ES“ in uns, die schneller ist als alles Denken und Fühlen? Es ist jene Kraft, die wir so gründlich unterdrücken. Etwa aus der Vernunft heraus?

Pelé sagte einmal: Wenn ein guter Fußballer zu einem ganz großen, überdurchschnittlichen Spieler werden will, dann muss er mit Freude und Enthusiasmus dabei sein und vor allem immer wissen, was er mit dem Ball macht, noch bevor er ihn zugespielt bekommt.

Es ist jedermanns eigene Sache, auf welche Kräfte und Fähigkeiten er zurück greift, um ein Reaktions-Spiel zu gewinnen. Sicher ist, dass Du jedes Spiel verlieren wirst, wenn Du dich in Augenblicken spontaner Entscheidung nur deiner Vernunft bedienst.
Diese viel berühmte Vernunft ist in den meisten Fällen mehr Hemmschuh als Hilfe. Nicht selten hat dich ein instinktiv handelnder Gegner schon längst auf die Matte gelegt, während Du noch immer über eine vernünftige Lösung grübelst. Ist es nicht so?   

– Marita Schroeder – The Future Force

© 2014 text by Marita Schroeder