Archiv für den Monat: April 2011

Starke Psyche macht Fußballer gefährlich

Fußballspiele werden im Kopf entschieden…

Zuerst befassen wir uns jedoch mit einem der wichtigsten Konzepte, dem Erregungszustand, und seiner Rolle im Mannschaftssport.
Ohne einen gewissen Grad an Erregung ist keine körperlich anspruchsvolle Leistung möglich.

Im Sport ist damit allgemein eine erhöhte physiologische und geistige Wachsamkeit gemeint. Dieser Zustand ist für den einzelnen Sportler sehr wichtig, kann aber leider nicht mit einem simplen Test analysiert werden. Trotzdem wollen wir einmal annehmen, es wäre so und wir hätten ein Messgerät, an dem man dies auf einer Skala einfach ablesen könnte – von Null, also absoluter Passivität wie im Tiefschlaf, über mäßige Aufmerksamkeit bis hin zum Extremwert, will heißen größter Aufregung oder sogar Furcht. Daneben gäbe es die entsprechenden Angststufen – bei geringer Erregung kaum wahrnehmbar, jedoch geradezu bedrohlich, wenn die bevorstehende Aufgabe schwer zu bewältigen oder gar gefährlich erscheint. Damit sind wir bei einem wichtigen Punkt angelangt:
Erregung an sich löst keine Angst aus, Letztere entsteht vielmehr erst, wenn die betroffene Person ihre Aufgabe beurteilt und den Fähigkeiten und der Leistungsbereitschaft gegenüberstellt, die sie für eine erfolgreiche Bewältigung zu mobilisieren vermag.
Besteht die Angst – im Sport oder in anderen Bereichen – so lange, dass sie immer wieder auftritt oder sogar chronisch wird, dann sprechen wir von Stress, und unter Stress kann niemand anspruchsvolle Spitzenleistungen erbringen. Allerdings ist nicht jede Angstreaktion automatisch negativ, im richtigen Augenblick ist sie sogar ein durchaus wichtiges Element des Erregungsprozesses.
Es kommt einfach darauf an, dass der Betroffene alles unter Kontrolle behält – wie es so treffend heißt: „Es macht nichts, wenn man Schmetterlinge im Bauch hat, die Kunst ist nur, sie in Formation fliegen zu lassen.“

Angst und die damit zusammenhängenden körperlichen Reaktionen werden in somatische und  kognitive Angst unterteilt. Unter somatischer Angst versteht man die direkte körperliche Reaktion auf die jeweilige Erregung, während sich die kognitive Angst in negativen oder bedrohlichen Gedanken über die bevorstehende Aufgabe äußert.
Studien haben ergeben, dass beide Angstformen vor einem anspruchsvollen Sportereignis ansteigen, wobei die somatische Angst deutlich nachlässt, sobald die Aktivität begonnen hat. Die kognitive Angst bleibt jedoch während des gesamten Wettbewerbs bestehen und schwankt in Abhängigkeit vor der jeweiligen Spielphase.
Wie gesagt, es existiert leider kein „Erregungsmesser“, der diesen Zustand oder die damit verbundene Angst ermitteln könnte. Natürlich gibt es bestimmte Körperreaktionen, zum Beispiel erhöhter Blutdruck, beschleunigte Atmung, erhöhte Pulsfrequenz, Schwitzen und einen erhöhten Spiegel bestimmter Hormone, vor allem des Adrenalins. All das lässt sich genau messen, allerdings nicht im Spielgeschehen.

Um es aufs Wesentliche zu reduzieren, geht man davon aus, dass die Leistung sich direkt proportional zur Erregungsstufe verhält. Bei Routinetätigkeiten (also einer einfachen Aufgabe) würde sich die Leistung bei erhöhter Erregung demnach verbessern. Das erklärt, wieso „altgediente“ Fußballer bessere Leistungen bringen als Neulinge: Steigt der Druck oder wird die Aufgabe technisch anspruchsvoller, machen unerfahrene Spieler einfach mehr Fehler, so dass ihre Leistung abfällt.
Allerdings stellte sich auch heraus, dass bei Spitzensportlern die Reserven auch begrenzt sind, so dass die Leistung irgendwann einen Spitzenwert erreicht, nach dem sie dann zwangsläufig abnimmt.

Für einen Trainer oder Coach bedeutet dies, dass sie für jeden Fußballer, er eine gewisse Funktion übernehmen soll, genau die richtige Erregungsstufe ermitteln müssen. Diese ist natürlich nicht bei allen Spielern oder allen körperlichen Belastungen gleich; ein Mittelfeldspieler, der nach einem 20-Meter-Sprint einen erfolgreichen Zweikampf verbuchen kann, hat eine andere Erregungsstufe als sein Mannschaftskollege, der sich gerade auf einen Elfmeter oder einen Strafstoß konzentriert.
Zu große Erregung ist außerdem kontraproduktiv und beeinträchtigt die Leistung. Übersteigt die Erregung den Optimalwert deutliche, so kann das böse Folgen haben. Der Einzelne gerät dann nämlich in einen Bereich, in dem jede weitere Erregung, so gering sie auch sein mag, nicht nur eine allmähliche Verschlechterung, sondern einen deutlichen Absturz der Leistung bedeutet.

Bevor wir uns den Maßnahmen zuwenden, mit denen die unerwünschten Auswirkungen der erregungsbedingten Angst reduziert werden können, sollten wir die Person an sich betrachten, denn Angst ist stets durch die Persönlichkeit bedingt.
Da wir unseren eigenen psychologischen Zustand nicht immer richtig einschätzen, braucht der Trainier nicht wenig an Kenntnissen und Übung, bis seine Spieler bestimmte Techniken auch in kritischen Situationen anwenden können. Einige Methoden sind sehr erfolgreich, insbesondere Zielsetzung, Entspannung, bildliche Vorstellung und self-talk.

Fazit: Hat die Angst bereits eine kritische Stufe erreicht, so ist eine Intervention vom Spielfeldrand wesentlich schwieriger, und die Fußballer müssen während eines Spiels selbst für Abhilfe sorgen…

– Marita Schroeder – The Future Force

© 2011 text by Marita Schroeder

Fotoquelle: unbekannt